LIGHTBOX: Über Raum, Klang und Spontaneität
18. Februar 2026
| VON
Sascha Bystrova
Könnt ihr uns erzählen, wie LIGHTBOX als Trio entstanden ist? Was hat euch jeweils zur Zusammenarbeit bewegt?
Haggai: Es war ziemlich spontan. Amir und ich spielen schon lange zusammen, und mit Emma spiele ich seit ein paar Jahren. Eines Tages hatten wir eine Session in meiner Wohnung und haben einfach gespielt – nur zum Spaß. Noch am selben Tag bekamen wir ein Konzertangebot. Wir hatten weder einen Namen noch irgendwelche Pläne für die Band; es ist alles ganz natürlich entstanden.
Emma: Es ist aus bereits bestehenden musikalischen Beziehungen gewachsen. Ich war damals neu in Berlin und kannte noch nicht viele Leute. Ich hatte fünf Jahre in London gelebt, aber in Berlin war ich erst seit ein paar Monaten. Haggai war bereits ein Freund und auf gewisse Weise auch musikalischer Partner, und ich wollte unbedingt anfangen, hier mit Menschen zu spielen.

LIGHTBOX / Sascha Bystrova
Emma: Es entstand aus dem einfachen Wunsch heraus, etwas ins Rollen zu bringen – Musik um der Musik willen zu machen. Es ging darum, Freunde zu treffen und gemeinsam neue musikalische Räume zu erkunden. Für mich hat sich das sehr warm und forschend angefühlt. LIGHTBOX war tatsächlich ein großer Teil meines Ankommens in Berlin – unsere gemeinsamen Sessions haben mir das Gefühl gegeben, in dieser Stadt zuhause zu sein.
Wie würdet ihr eure gemeinsame musikalische Vision beschreiben? Was entzündet beim Komponieren oder Entwickeln neuer Musik den ersten Funken?
Amir: Es ist sehr natürlich. Wir spielen, worauf wir Lust haben – vielleicht Standards oder eigene Stücke – und daraus entwickeln sich Ideen. Meist konzentrieren wir uns auf die Klangfarbe. Danach suchen wir eigentlich.
Haggai: Unser Setup bringt definitiv eine Herausforderung mit sich, weil wir kein Harmonieinstrument haben. Das lässt viel Raum – und das ist sehr befreiend. Diese Offenheit schafft Platz für Erkundung.

Haggai Cohen-Milo / Sascha Bystrova
Was hat euch beim Zusammenspielen überrascht oder unerwartet bewegt?
Haggai: Dass ein Notenständer hilft (lacht).
Emma: Es ist unglaublich schwierig, einen Namen zu finden!
Haggai: Oh mein Gott, wir haben Wochen damit verbracht.
Emma: Am Anfang haben wir völlig ohne Agenda gespielt – und plötzlich mussten wir eine definieren. Das war überraschend schwierig. Wenn sich etwas sehr natürlich und selbstverständlich anfühlt, ist es nicht einfach, das so zu formulieren, dass andere es verstehen. Diese Gespräche waren aber gut: Was wollen wir eigentlich? Was möchten wir vermitteln? Die Distanz zwischen dem, was sich für uns musikalisch selbstverständlich anfühlt, und dem, was für Außenstehende Sinn ergibt – das war unerwartet herausfordernd.

Emma Rawicz / Sascha Bystrova
Haggai: Ich hätte auch einfach ohne jede Agenda weitermachen können. Ich würde glücklich weiterspielen, selbst wenn wir nie einen Bandnamen gefunden hätten. Ich mag den Klang, den wir entwickelt haben – er ist von Anfang an sehr organisch entstanden.
Emma: Auch die Szene in Berlin hat mich überrascht. Es gibt hier viele musikalische Extreme, und das war ich so nicht gewohnt. London ist anders. Menschen zu finden, die Freude daran haben, Standards zu spielen, fühlt sich in Berlin sehr spezifisch an. Für mich als jemanden, der von außen kam, war das überraschend, weil gemeinsame Wurzeln in der Jazztradition ein so wichtiger Teil des Musiker*innenseins sind.
Wie seid ihr auf den Namen LIGHTBOX gekommen?
Emma: Tatsächlich war es die Idee meiner Mutter! Wir haben über mögliche Namen gesprochen, und sie meinte: „Wie wäre es mit LIGHTBOX? Wie eine Box mit vielen verschiedenen Lichtern darin.“ Ich habe es dann nachgeschlagen und eine interessante Definition gefunden. Für ein akkordloses Trio wie unseres – mit trockenem Klang und starken Kontrasten – ergab das irgendwie Sinn. Es hat außerdem etwas Spielerisches und Essenzielles.

LIGHTBOX / Sascha Bystrova
Welche Rolle spielt Raum in eurer Musik? Insbesondere im Hinblick auf Ricard Larssons Studio bei FRAMED #91 – wie beeinflusst das eure Performance oder eure Haltung?
Haggai: Ich habe das Gefühl, dass in Emmas Musik viel „Literatur“ steckt – also Einflüsse aus anderen Kunstformen. Bei FRAMED #91 war es eher eine Intuition. Als ich Fotos von Ricard Larssons Skulpturen gesehen habe, musste ich sofort an den Klang dieses Trios denken. Der trockene, akkordlose Sound und die schwarz-grauen Skulpturen mit ihrem harten Kontrast vor weißem Hintergrund – das fühlte sich verbunden an. In beidem liegt etwas Abstraktes, und auf einer assoziativen Ebene hatte ich das Gefühl, dass es sehr gut funktionieren würde. Ich habe den Eindruck, dass wir uns in einer Umgebung befinden werden, die das unterstützt, was wir ohnehin schon tun.
Der Raum, in dem wir spielen, ist im kreativen Prozess sehr wichtig.
Emma: Hoffentlich macht es einen offener. Wenn man an einen Raum gewöhnt ist, entsteht eine gewisse Komfortzone – das kann schön sein. Aber wenn man sich in einem ungewohnten Raum befindet oder außerhalb der eigenen Komfortzone, können Dinge passieren, die sonst nicht geschehen würden.
Wenn dieser ungewohnte Rahmen da ist, man sich aber in der Musik geerdet fühlt, kann man Risiken eingehen – inspiriert von dem, was die Umgebung einem gibt. Das ist etwas ganz Besonderes.
Was möchtet ihr, dass das Publikum bei FRAMED #91 aus eurem Set mitnimmt?
Amir: Wir wollen selbst Spaß haben und uns von der Situation inspirieren lassen – dann wird das Publikum das spüren. Wenn ich im Publikum bin, fühle ich, was die Menschen auf der Bühne fühlen. Also müssen wir einfach im richtigen Zustand sein, und das werden wir.

Amir Bresler / Sascha Bystrova
Emma: Es ist ein Austausch in beide Richtungen. Man nährt sich von der Energie des Publikums. Wenn die Menschen offen sind und wirklich zuhören und die Kunst erleben wollen, gibt man sich ständig gegenseitig etwas, während man spielt.
Wenn eine geschlossene Atmosphäre herrscht, kann das schwierig sein, aber in kreativen Umgebungen ist das meist nicht der Fall. Es ist ein Energieaustausch, ein Fluss zwischen Publikum und Musiker*innen auf der Bühne. Wir nehmen etwas von ihnen und geben etwas zurück. Es ist wie eine Zusammenarbeit.
Haggai: Wir werden etwas empfangen und hoffentlich etwas geben. Es gibt keine feste Agenda, was die Menschen daraus mitnehmen sollen. Wir möchten einfach, dass sie da sind. Dass sie präsent sind.
Emma: Beim Improvisieren kann man ohnehin keine zu feste Agenda haben. Wenn man wirklich improvisiert, weiß man nicht, was man sagen wird, bis man es spielt. Alles, was man sich von den Menschen wünschen kann, ist, dass sie präsent und offen sind – dann werden sie empfangen, was immer man zu sagen hat.

LIGHTBOX / Sascha Bystrova